Porz
Femizid 2
1991
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Triggerwarnung: Im Folgenden geht es um Femizide und patriarchale Strukturen. Es werden Details zu struktureller Diskrimierung aufgrund des Geschlechts sowie sexualisierte Gewalt an und die Tötung von Frauen thematisiert.
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Kölner Stadtanzeiger, Seckin Caglar: Bringt Aktenzeichen XY neue Hinweise im ungeklärten Kölner Mordfall? Stand 24.01.2026, 9:54:
,,Fast 35 Jahre nach dem Tod der 16-jährigen Seckin Caglar unternimmt die Kölner Polizei einen weiteren Versuch, das Verbrechen aufzuklären. Der ungeklärte Mordfall wird am 25. Februar 2026 in der ZDF-Sendung Akt Aktenzeichen XY ungelöst thematisiert. Die Ermittler hoffen auf neue Hinweise aus der Bevölkerung.
Seckin Caglar hatte am 16. Oktober 1991 gegen 18:40 Uhr ihre Arbeitsstelle in einem Supermarkt an der Siegburger Straße verlassen. Dort war sie erst seit wenigen Tagen beschäftigt. Nach Angaben der Polizei nutzte sie üblicherweise die Stadtbahnlinie 7 von der Haltestelle Salmstraße bis Poll Autobahn und ging von dort zu Fuß zur Wohnung ihrer Eltern. An diesem Abend kam sie nicht nach Hause. Am folgenden Tag wurde die Jugendliche tot in einem Gebüsch in der Nähe der Haltestelle gefunden. Die Ermittlungsbehörden gehen von einem Tötungsdelikt im Zusammenhang mit einem Sexualverbrechen aus. Bis heute ist unklar, wo Seckin Caglar auf den Täter traf.
In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Ermittlungsmaßnahmen durchgeführt, darunter auch eine umfangreiche DNA-Reihenuntersuchung mit mehreren Hundert Proben. Ein entscheidender Durchbruch gelang bislang nicht. Der zuständige Mordermittler Markus Weber arbeitet seit Monaten erneut intensiv an dem Fall.
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Dieser Fall ist ein Femizid. Es ist ein Mord an einer Frau im Zusammenhang mit einem Sexualdelikt.
Femizide betreffen nicht alle Frauen und weiblich gelesene Personen gleichermaßen. Sowohl migrantische als auch Transfrauen weisen ein deutlich erhöhtes Risiko auf, Opfer tödlicher geschlechtsspezifischer Gewalt zu werden (Rebmann et al., 2025; UN Women, 2025).
Migrantische Personen können als Hochrisikogruppe für Femizide bezeichnet werden. Nach einer deutschen Aktenanalyse zu Frauentötungen hatten 45,1 % der weiblichen Opfer eine Migrationserfahrung. In der größten Falltypengruppe, die Tötungen im Trennungs- oder Eifersuchtskontext, sogar 55,1 % (Rebmann et al., 2025).
Finanzielle Abhängigkeit, ein schwaches soziales Netzwerk und fehlende familiäre Unterstützung senken die Meldebereitschaft und erhöhen so das Risiko, Opfer schwerer beziehungsweise tödlicher Gewalt zu werden. Diese Faktoren treten oft in den Biografien der Femizidopfer mit Migrationsgeschichte auf (Rebmann et al., 2025).
Internationale Daten stützen dieses Muster. Im Ausland geborene Frauen wurden in den USA anteilig häufiger Opfer von Expartner - oder Partnertötungen als im Land geborene Frauen. Sprachbarrieren, unsicherer Aufenthaltsstatus und Angst vor Behörden erschweren die Hilfesuche (Sabri et al., 2021). Migrantische Personen sind damit nicht grundsätzlich gefährdeter, weil sie migrantisch sind, sondern weil Migration häufig mit struktureller Vulnerabilität wie ökonomischer Abhängigkeit, sozialer Isolation und eingeschränktem Zugang zu Schutzsystemen zusammenfällt (Rebmann et al., 2025; Sabri et al., 2021).
Eine wirksame Prävention erfordert Maßnahmen zur Förderung der ökonomischen und sozialen Unabhängigkeit von Frauen, die Sicherung eines niedrigschwelligen Zugangs zu Schutz- und Beratungsangeboten sowie die kritische Reflexion und Veränderung bestehender Geschlechterrollenbilder bei Tätern, Betroffenen und deren sozialem Umfeld (Rebmann et al., 2025).
Auch Transfrauen gelten nach der UN als Hochrisikogruppe, wenn Femizide betrachtet werden (UN Women, 2025). Das Trans Murder Monitoring der Menschenrechtsorganisation TGEU (Trans Europe and Central Asia) dokumentiert seit 2009 weltweit Tötungen von Trans- und genderdiversen Personen. Im Erhebungszeitraum 2024 und 2025 wurden 281 Morde an Transpersonen registriert (TGEU, 2025). 90 % der erfassten Opfer waren Transfrauen oder transfeminine Personen. Das Trans Murder Monitoring geht zudem von einer erheblichen Dunkelziffer aus, da Opfer in Medien und Polizeiberichten häufig unter falschem Namen oder Geschlecht geführt werden (TGEU, 2025).
Diese Zahl muss jedoch intersektional gelesen werden. Transfrauen sind oft mehrfach-marginalisiert. 88 % der Transfrauen, die in 2024 und 2025 weltweit getötet wurden waren nicht-weiß und 34 % übten Sexarbeit aus (TGEU, 2025). Strukturelle Faktoren wie Armut, Obdachlosigkeit, Diskriminierung am Arbeitsmarkt und Sexarbeit erhöhen laut US-Studien systematisch das Risiko, Opfer transfeindlicher Gewalt zu werden (Gyamerah et al., 2021). Morde an Transfrauen stehen im Zusammenhang mit Frauenfeindlichkeit, Transmisogynie und dem Bestrafen für das Abweichen von traditionellen Geschlechterrollen (vgl. UN Women, 2025).
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Wenn ihr selbst oder jemand in eurem Umfeld von Gewalt betroffen ist, oder ihr Angst vor zukünftiger Gewalt habt, wendet euch an Hilfestellen.
Es gibt kostenlose, nationale Hilfsangebote wie das Opfertelefon des Weißen Rings. Hier können sich sowohl Opfer als auch Angehörige melden. Die Nummer ist 116 006.
Auch das Hilfetelefon ‘Gewalt gegen Frauen’ steht unter der 116 016 oder online 24std zur Verfügung.
Außerdem gibt es lokale Hilfestellen hier in Köln, wie die Feminist Law Clinic für kostenlose Rechtsberatung, oder die Frauenberatungsstelle des FrauenLeben e.V.. Alle Details zu den einzelnen Angeboten findet ihr nochmal auf der Webseite des Projekts: unter femizide-koeln.framer.website/hilfestellen.
Nachrichtenquelle:
Jagenberg, A. (2026, 24. Januar). Seckin Caglar: Bringt „Aktenzeichen XY“ neue Hinweise im ungeklärten Kölner Mordfall? Kölner Stadt-Anzeiger. Abgerufen am 30. Juni 2026, von https://www.ksta.de/koeln/cold-case-mordfall-seckin-caglar-erneut-bei-aktenzeichen-xy-1-1197091
Literatur:
Gyamerah, A. O., Baguso, G., Santiago-Rodriguez, E., Sa'id, A., Arayasirikul, S., Lin, J., Turner, C. M., Taylor, K. D., McFarland, W., Wilson, E. C., & Wesson, P. (2021). Experiences and factors associated with transphobic hate crimes among transgender women in the San Francisco Bay Area: Comparisons across race. BMC Public Health, 21, Article 1053. https://doi.org/10.1186/s12889-021-11107-x
Rebmann, F., Maier, S. P., Stelly, W., Thomas, J., Labarta Greven, N., & Lutz, P. (2025). Femizide in Deutschland: Eine empirisch-kriminologische Untersuchung zur Tötung an Frauen [Forschungskurzbericht]. Institut für Kriminologie der Universität Tübingen; Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen. https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/172346/Femizide%20in%20Deutschland_Forschungskurzbericht.pdf
Sabri, B., Campbell, J. C., & Messing, J. T. (2021). Intimate partner homicides in the United States, 2003–2013: A comparison of immigrants and nonimmigrant victims. Journal of Interpersonal Violence, 36(9–10), 4735–4757. https://doi.org/10.1177/0886260518792249
TGEU – Trans Europe and Central Asia. (2025). Trans Murder Monitoring 2025 update. https://tgeu.org/files/uploads/2025/11/2025-TMM-Table.pdf
UN Women. (2025). Five essential facts to know about femicide. https://www.unwomen.org/en/articles/explainer/five-essential-facts-to-know-about-femicide66–2775. https://doi.org/10.1016/j.addbeh.2007.04.013:
Femizid 5
2002
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Triggerwarnung: Im Folgenden geht es um Femizide und patriarchale Strukturen. Es werden Details zu struktureller Diskrimierung aufgrund des Geschlechts und sexualisierte Gewalt an Frauen thematisiert. Außerdem wird die Tötung von Frauen und Kindern angesprochen.
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Welt. 17-Jähriger gesteht Mord an Schülerin Rebecca, veröffentlicht am 27.08.2002 von AP:
Der Mord an der 15-jährigen Rebecca aus Köln ist nach fast fünf Monaten aufgeklärt. Ein 17-jähriger Bekannter des Mädchens gestand, das Mädchen bei einer Verabredung getötet zu haben. Gegen den Auszubildenden erging Haftbefehl wegen Mordes. Ihm droht nun eine zehnjährige Jugendstrafe.
"Er war froh, dass es aus war", berichtete der Leiter der Mordkommission, Burkhard Achenbach, am Montag in Köln. Nach eigenem Eingeständnis hatte der 17-Jährige das Mädchen, eine ehemalige Mitschülerin, bei einem Treffen am 7. April nach einem Streit zunächst mit einem Seil gedrosselt, bis es bewusstlos war, und später erstochen, als er merkte, dass es noch lebte.
Noch nicht hundertprozentig geklärt ist allerdings das Motiv der Tat. Der Jugendliche selbst behauptete bei seiner Vernehmung, es sei zu einem Streit über Haschisch gekommen und er sei ausgerastet. Die Ermittler halten dies aber für wenig glaubwürdig und gehen davon aus, dass der Jugendliche möglicherweise ein Sexualverbrechen geplant hatte. Darauf deute auch der Zustand der Kleidung des Mädchens hin. Überführt worden war der Jugendliche unter anderem durch Faserspuren, die auf dem Klebeband gefunden wurden, mit dem das Mädchen gefesselt worden war.
Der Fall Rebecca hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Das Mädchen war am 7. April verschwunden. 50 Tage hatten Familie und Polizei vergeblich nach ihm gesucht. Am 3. Juni war dann in einem Waldstück in Köln-Zündorf die verweste Leiche der 15-Jährigen gefunden worden.
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Dieser Fall ist ein Femizid mit den Merkmalen der Ermordung durch sonstige Tatverdächtige, welche sexualisierte Gewalt involviert.
Werte aus den Jahren 2019 bis 2023 aus Deutschland ergeben, dass 94 % der Opfer von Sexualmorden weiblich sind. So werden 5,8 Frauen und Mädchen jährlich Opfer eines Sexualmords, bei denen die Täter außerhalb der Familie oder der gegenwärtigen oder ehemaligen Partnerschaft des Opfers zuzuordnen sind. Hierbei sind die Opfer über die komplette Altersspanne hinweg anzufinden. Im Vergleich dazu: bei Männern oder Jungen sind 0,4 Opfer jährlich betroffen (Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 43, 45).
Eine Tötung von Frauen mit dem Hintergrund von sexualisierter Gewalt kann daher so verortet werden, dass patriarchale Besitzansprüche über das weibliche Geschlecht und deren Körper als legitimiertes Recht auf sexuelle Verfügbarkeit interpretiert und durch sexualisierte Gewalt durchgesetzt werden (Maier u. a., 2023, S. 11 m. w. N., zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 24; Russell, 2001b, S. 39, zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 24). Hierbei kann man demnach annehmen, dass es bei dieser Gewaltform nicht vorrangig um die Sexualität an sich geht, sondern um die Demonstration eines Macht- und Dominanzgefälles (DIMR, 2024c, S. 64, zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 21; FHK, o.D.b, zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 21).
Im Jahr 2024 gab es in Deutschland 53.451 weibliche Opfer von Sexualstraftaten, von denen knapp die Hälfte zu dem Tatzeitpunkt minderjährig war (Bundesministerium des Innern, 2025). Minderjährige Täter geschlechtsbezogener Tötungsdelikte von weiblichen Personen kommen laut Untersuchungen des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen des Jahres 2024 (S. 22) zwar nur auf circa 3,4 %, jedoch deutet dies darauf hin, dass die besprochenen patriarchalen Strukturen sich bereits in jungem Alter bei männlichen Personen erkennen lassen können.
Zielgerichtete und nachhaltige Bildungsprogramme und Präventionskampagnen haben das Potenzial, die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern, schädliche und problematische Stereotype und Strukturen abzubauen und Gewalt vorbeugende Maßnahmen zu schaffen (Präventationsstudie des BMBFSFJ (durchgeführt von SOCLES) zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 55; Kavemann u. a., 2025, zitiert nach zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 55). Diese könnten bereits im jüngeren Alter in Bildungseinrichtungen eingesetzt und vermittelt werden, um somit frühzeitig Femiziden entgegenwirken zu können.
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Wenn ihr selbst oder jemand in eurem Umfeld von Gewalt betroffen ist, oder ihr Angst vor zukünftiger Gewalt habt, wendet euch an Hilfestellen.
Es gibt kostenlose, nationale Hilfsangebote wie das Opfertelefon des Weißen Rings. Hier können sich sowohl Opfer als auch Angehörige melden. Die Nummer ist 116 006.
Auch das Hilfetelefon ‘Gewalt gegen Frauen’ steht unter der 116 016 oder online 24std zur Verfügung.
Außerdem gibt es lokale Hilfestellen hier in Köln, wie die Feminist Law Clinic für kostenlose Rechtsberatung, oder die Frauenberatungsstelle des FrauenLeben e.V.. Alle Details zu den einzelnen Angeboten findet ihr nochmal auf der Webseite des Projekts: unter femizide-koeln.framer.website/hilfestellen.
Nachrichtenquelle:
AP. (2002, 27. August). 17-Jähriger gesteht Mord an der Schülerin Rebecca. Die Welt. Abgerufen am 1. Juli 2026, von https://www.welt.de/print-welt/article408486/17-Jaehriger-gesteht-Mord-an-der-Schuelerin-Rebecca.html
Literatur:
Bundesministerium des Innern. (21. November 2025). Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten in Deutschland (2024). BMI. Abgerufen am 06.07.2026 von https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/schwerpunkte/DE/gewalt-gegen-frauen/gewalt-gegen-frauen-artikel.html
Deutsches Institut für Menschenrechte. (2025). Monitor. Im Fokus: Femizide in Deutschland. Verständnis, Datenlage und Prävention. Berichterstattungsstelle geschlechtsspezifische Gewalt. Abgerufen am 06.07.2026 von https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/publikationen/detail/monitor-im-fokus-femizide-in-deutschland
Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. (2024). Tötungsdelikte zum Nachteil von Frauen in Nordrhein-Westfalen. Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. Abgerufen am 06.07.2026 von https://lka.polizei.nrw/sites/default/files/2025-08/totungsdelikte-zum-nachteil-von-frauen-in-nordrhein-westfalen.pdf
Femizid 12
2022
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Triggerwarnung: Im Folgenden geht es um Femizide und patriarchale Strukturen. Es werden Details zu struktureller Diskrimierung aufgrund des Geschlechts sowie sexualisierte Gewalt an und die Tötung von Frauen thematisiert.
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T-online-Prozess vor dem Landgericht Köln: Freundin vergewaltigt und erstochen. Mordanklage. Aktualisiert am 2.12.2022 von Florian Eßer:
Am Donnerstag, den 8. Dezember, startet vor dem Landgericht der Prozess gegen einen 40 Jahre alten Kölner. Der Mann soll im April dieses Jahres seine Lebensgefährtin getötet haben, weil sich diese von ihm trennen wollte.
Die Tat ereignete sich laut Angaben der Polizei Köln am 23. April. Gegen 17.30 Uhr hatten Beamte nach dem Hinweis eines Zeugen die Leiche der Frau in deren Wohnung in der Straße am Linder Kreuz in Lind gefunden. "Die Leiche wies Spuren massiver Gewalteinwirkung auf", so die Polizei.
Mithilfe von Spezialeinheiten fahndete die Polizei nach dem tatverdächtigen Lebensgefährten der Frau, konnte ihn aber zunächst nicht ausfindig machen. Er stellte sich am Morgen des 24. April auf der Wache Köln-Porz.
Vor Gericht wird dem Mann nun Mord vorgeworfen. Er und seine Lebensgefährtin hatten sich über ein Datingportal kennengelernt und waren für einige Wochen ein Paar. Dann aber soll das Opfer dem 40-Jährigen ihre Trennungsabsichten offenbart haben.
Anschließend soll der Angeklagte seine Lebensgefährtin brutal gewürgt und vergewaltigt haben. Um die Vergewaltigung zu vertuschen und aus gekränkter Ehre heraus, habe der Mann dann mit einem 25 Zentimeter langen Messer auf die 30-Jährige eingestochen, so die Anklage.
Der Prozess ist auf sieben Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird am 16. Januar 2023 erwartet.
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Dieser Fall ist ein Femizid mit den Merkmalen eines Intimizid, also der Tötung einer Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner.
Intimizide gehören weltweit zu den sowohl zahlenmäßig höchsten (Grzyb, Naudi und Marcuello-Servós, 2018, S. 24-25, zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 26; Stöckl u. a., 2013, S. 863, zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 26), als auch derzeit stärksten, wenn auch nicht ausreichend, erforschten Femizidformen (Evans u. a., 2023, S: 550, zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 26).
Der Großteil der betroffenen Individuen von Tötungen durch sowohl ehemalige als auch aktuelle Partner*innen sind Frauen (Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 41). Bei 321 von 405 Fällen, also 80,2 %, sind die Opfer von Tötungsdelikten durch den Partner oder Ex-Partner Frauen oder Mädchen (Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 41). Diese strukturelle Problematik wird häufig als reine Beziehungstat verharmlost und bedarf einem ernsteren Diskurs (Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 26).
Mehr als ein Drittel bis fast die Hälfte aller Tötungen an Frauen wurden von einem Intimpartner begangen, das zeigt eine internationale Forschung aus dem Jahr 2013 auf (Stöckl u. a., 2013, S. 863, zitiert nach (Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 25). Dies gilt als Indiz dafür, dass unter dem Aspekt eines globalen Patriarchats weder der kulturelle noch der sozioökonomische Kontext ausschlaggebend ist für diesen problematischen Sachverhalt (Evans u. a., 2023, S. 542 m. w. N., zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 25). Intimizide können demnach bei Individuen jeder Herkunft und sozialem Status geschehen. Diese Beobachtung lässt sich auch für Deutschland nachweisen (Habermann, 2023, S: 22; zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 25; Greuel und Petermann, 2007, S. 21, zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 25; EIGE, 2021a, S: 15, zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 25).
Bei 36 % der weiblichen Opfer in den Jahren 2019 bis 2023 waren die Tatverdächtigen die Partner oder Ex-Partner der Betroffenen. Bei Männern und Jungen hingegen liegt der diesbezügliche Anteil nur bei 4 % (Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 41).
Die mehrheitlichen Tötungen von Frauen durch ihre Ex-Partner oder Partner werden meist aufgrund einer von der Frau ausgehenden bereits vollzogenen oder noch beabsichtigten Trennung begangen (djb, 2019, S. 1-2, zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 27; Habermann, 2023, S. 285, zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 27; Schuchmann und Steinl, 2021, S. 314 m. w. N., zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 27). Laut Studienergebnissen werden demnach ein bis zwei Drittel aller Intimizide als ein sogenannter „Trennungsfemizid” eingestuft (Leuschner, 2022, S. 31, zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 27; Habermann, 2023, S. 100, zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 27; DIMR, 2024c, zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 27).
Aufgrund dessen stellt nicht nur die Trennungsphase sondern auch bereits die Äußerung einer Trennungsabsicht für Frauen in einer Partnerschaft eine Hochrisikosituation bezüglich Gewalt und Tod dar (Greuel und Petermann, 2007, S. 26-27, zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 27, 28; Habermann, 2023, S. 92 m. w. N., zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2025, S. 27, 28). Die größte Bedrohung in Hinsicht auf einen Femizid verkörpert für Frauen demnach die eigene gegenwärtige oder ehemalige Partnerschaft zu einem Mann.
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Wenn ihr selbst oder jemand in eurem Umfeld von Gewalt betroffen ist, oder ihr Angst vor zukünftiger Gewalt habt, wendet euch an Hilfestellen.
Es gibt kostenlose, nationale Hilfsangebote wie das Opfertelefon des Weißen Rings. Hier können sich sowohl Opfer als auch Angehörige melden. Die Nummer ist 116 006.
Auch das Hilfetelefon ‘Gewalt gegen Frauen’ steht unter der 116 016 oder online 24std zur Verfügung.
Außerdem gibt es lokale Hilfestellen hier in Köln, wie die Feminist Law Clinic für kostenlose Rechtsberatung, oder die Frauenberatungsstelle des FrauenLeben e.V.. Alle Details zu den einzelnen Angeboten findet ihr nochmal auf der Webseite des Projekts: unter femizide-koeln.framer.website/hilfestellen.
Nachrichtenquelle:
Eßer, F. (2022, 2. Dezember). Prozess vor dem Landgericht Köln: Freundin vergewaltigt und erstochen – Mordanklage. t-online. Abgerufen am 2. Juli 2026, von https://koeln.t-online.de/region/koeln/id_100091334/koeln-lind-freundin-vergewaltigt-und-erstochen-mordanklage.html
Literatur:
Deutsches Institut für Menschenrechte. (2025). Monitor. Im Fokus: Femizide in Deutschland. Verständnis, Datenlage und Prävention. Berichterstattungsstelle geschlechtsspezifische Gewalt. Abgerufen am 06.07.2026 von https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/publikationen/detail/monitor-im-fokus-femizide-in-deutschland